Manchmal braucht es einen Satz, der aufhorchen lässt, damit ein Thema endlich die Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient.

Die Aussage von Bundeskanzler Christian Stocker zur Kinderbetreuung hat irritiert, bewegt und eine breite öffentliche Diskussion ausgelöst. Für die Aussage selbst gibt es keinen Grund zur Dankbarkeit. Für die Diskussion, die daraus entstanden ist, sehr wohl.

Denn endlich sprechen wir übers Elternsein.

Und damit über jene Menschen, die einen wesentlichen Teil der Zukunft unserer Gesellschaft mitgestalten. Denn Kinder sind Zukunftsmusik – und ihre ersten Töne entstehen mitten im Familienleben.

Die Entschuldigung des Bundeskanzlers und der anschließende Versuch einer Klarstellung erkennen wir an. Gleichzeitig bleiben viele Fragen offen – und genau diese Fragen regen uns zum Weiterdenken an.

Was bedeutet es eigentlich, Eltern zu sein?

Elternsein bedeutet, einen Menschen über viele Jahre ins Leben zu begleiten. Es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen, sich immer wieder neu auf dieses eine Kind einzustellen, Geduld aufzubringen, sich selbst zu hinterfragen, Grenzen zu setzen, zuzuhören, zu trösten, zu ermutigen und immer wieder neu anzufangen.

Es bedeutet, den Familienalltag zu tragen, Kinder durch Kindergarten und Schule, durch Freundschaften und Freizeit, durch kleine Unsicherheiten und große Entwicklungsschritte zu begleiten. Es bedeutet, mitzufühlen, mitzudenken, auszuhalten und immer wieder die Frage zu stellen: Was braucht mein Kind jetzt?

Das ist Alltag. Das ist Elternsein. Und ja – das ist Arbeit.

Eine Arbeit, für die es keinen Lohnzettel gibt und oft auch keine sichtbare Anerkennung. Ihr Wert zeigt sich auf andere Weise: in Vertrauen, in Sicherheit, in Selbstständigkeit und schließlich in jungen Menschen, die ihren eigenen Weg finden und unsere Gesellschaft mitgestalten.

Elternsein ist eine der verantwortungsvollsten Aufgaben, die es gibt.

Gerade deshalb lohnt es sich, genauer hinzusehen, welchen Stellenwert wir dieser Aufgabe geben und was wir als Gesellschaft dafür tun können.

Wir investieren viel, wenn Krisen bereits entstanden sind. Wir begleiten Familien, wenn Konflikte groß geworden sind, Beziehungen belastet sind oder Kinder und Eltern bereits viel Kraft aufbringen mussten.

Diese Unterstützung ist wichtig. Genauso wichtig ist es, früher anzusetzen.

Wir würden uns vieles ersparen, wenn wir bereits vorher in Familien investieren: in Wissen, Begegnung, Orientierung und in Möglichkeiten, die Eltern stärken, bevor aus kleinen Unsicherheiten große Belastungen werden.

Genau hier liegt die Kraft von Elternbildung als Prävention.

Elternbildung bedeutet für uns nicht, Eltern vorzuschreiben, wie Familie funktionieren soll. Sie bedeutet, Wissen zugänglich zu machen, den Austausch zu fördern, neue Perspektiven zu eröffnen und Eltern in ihrer eigenen Kompetenz zu stärken.

Denn Elternsein ist ein Lernprozess. Eltern wachsen mit ihren Kindern. Sie entdecken, probieren aus, reflektieren, verändern und beginnen immer wieder neu.

Vom Wissen ins Herz.

Dort wird aus Information Orientierung. Aus Orientierung kann Sicherheit entstehen. Und Sicherheit schafft Raum für Beziehung.

Vielleicht ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt, Elternbildung stärker in die Mitte unserer Gesellschaft zu holen und sie als das zu verstehen, was sie ist: präventive Zukunftsarbeit.

Wenn wir in Eltern investieren, investieren wir in Kinder. Wenn wir in Familien investieren, investieren wir in Gesellschaft.

Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen. Dieses Dorf sind wir alle. Und vielleicht ist diese Diskussion eine gute Gelegenheit, diesem Dorf mehr Aufmerksamkeit, mehr Wertschätzung und mehr Ressourcen zu geben – und Elternbildung den Stellenwert, den sie als präventive Investition in Familien und damit in unsere Gesellschaft verdient.

Denn Kinder sind Zukunftsmusik.

Und Eltern gestalten diese Musik ganz wesentlich mit. Sie geben den Rhythmus vor, setzen erste Töne, probieren aus, stimmen neu und begleiten ihre Kinder dabei, ihre eigene Melodie zu finden.

Manches wird laut, manches leise, manches klingt zunächst schräg und manches braucht Zeit, bis es seinen richtigen Ton findet. Genau darin liegt Entwicklung.

„Wie diese Musik später klingt, gestalten wir heute – mitten in unseren Familien.“

Mit besten Grüßen,

Veronika Lippert
Obfrau der Elternwerkstatt

Geht’s den Eltern gut – geht’s den Kindern gut – geht’s den Familien gut – geht’s der Gesellschaft gut.

 

Elternwerkstatt - Ihr Partner in Erziehungsfragen